Haustiere für Kinder

Farbratten

Die ursprünglich aus Ostasien stammende und inzwischen weltweit verbreitete Wanderratte (Rattus norvegicus) ist die Wildform der Farbratten. In Deutschland hat die größere und schwerere Wanderratte die Hausratte (Rattus rattus) verdrängt, so dass diese fast ausgestorben ist. Wie Mäuse sind auch Ratten beliebte Versuchstiere. Erst später wurden sie aufgrund ihres putzigen Verhaltens und ihrer Lernfähigkeit auch als Haustier beliebt. Viele Laborratten sind Albinos, also weiße Ratten mit roten Augen. Die als Heimtier gehaltenen Farbratten gibt es in vielen verschiedenen Fellfarben und -zeichnungen.

Keine Einzelhaltung

Wilde Ratten sind sehr sozial und leben in Großfamilien mit bis zu 200 Mitgliedern. Innerhalb eines Rudels gibt es eine stabile Rangordnung. Fremde Ratten hingegen werden angegriffen. Bei der Zusammenführung zweier sich unbekannter Ratten ist also Vorsicht geboten!

Da Ratten bereits mit 4-6 Wochen geschlechtsreif werden können, ist eine frühzeitige Trennung der Geschlechter notwendig. Achten Sie beim Kauf im Zoohandel daher unbedingt darauf, dass männliche und weibliche Ratten getrennt voneinander gehalten werden. Denn schon ein einzelnes Rattenweibchen kann bis zu 500 Jungtiere pro Jahr bekommen!

Man kann eine gleichgeschlechtliche Gruppe halten, aber auch ein Rattenpaar ist möglich, dann muss das männliche Tier aber kastriert werden. Ideal sind Gruppen ab vier Ratten.

Rattenkäfig

Ratten sind sehr bewegungsfreudige Tiere, die Mindestfläche des Käfigs für zwei Ratten darf daher 100 x 50 cm bei einer Käfighöhe von 80 cm keinesfalls unterschreiten. Der Gitterabstand darf 15 mm nicht überschreiten, bei Jungtieren und sehr schlanken Ratten besser sogar nur 12 mm. Der Standort des Käfigs sollte hell sein, aber nicht in der direkten Sonne. Ratten sind empfindlich für Erkältungskrankheiten, daher darf am Käfigstandort keine Zugluft herschen.

Viel freie Fläche benötigen Ratten nicht, sie nutzen eine große Freifläche ungern. Ihre Trampelpfade legen sie bevorzugt an Wänden und Gegenständen entlang an und markieren sie mit ihrem Duft.

Als Einstreu kann man Sägespäne, Stroh, feines Buchenholzgranulat oder Hanfstreu verwenden. Die Einstreuhöhe sollte 10 cm nicht unterschreiten, damit die Farbratten darin etwas buddeln können.

Zusätzlich muss den Ratten Material zum Nestbau zur Verfügung stehen. Dazu eignen sich Stroh, Holzwolle oder Papierstreifen sehr gut. Gerne kombinieren Ratten auch verschiedene Materialen um daraus ein bequemes Nest zu bauen.

Mehr Fläche im Käfig kann man mit zusätzlichen Etagen gewinnen. Diese dürfen keinesfalls aus einem Gitter sein, sondern müssen aus Holz bestehen. Haben Sie einen Käfig mit Gitteretagen erworben, können diese auch nachträglich mit einem passend zugeschnittenen Holzbrett abgedeckt werden. Mit einem kleinen Holzleiterchen können die Ratten die Etagen problemlos erreichen. Gerne wird aber auch das Käfiggitter zum erklettern der Etagen genutzt.

Bei der Einrichtung des Rattenheims sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Eine Regel gibt es dennoch: Plastik gehört nicht in den Rattenkäfig. Farbratten nagen alles an und Plastik zu essen kann nicht gesund sein.

In der freien Wildbahn legen Ratten unterirdische Tunnel und Höhlen an, die sie bewohnen. Daher ist ein Schlafhäuschen aus Holz oder Keramik wichtig. Eine passende Größe für Ratten haben meist die für Meerschweinchen angebotenen Schlafhäuschen.

In vielen Zoohandlungen kann man auch Korkröhren und Wurzeln kaufen, sie sind ein Kletterparadies für die Ratten. Ein dickes Seil quer durch den Käfig gespannt läd zu einer Balancierübung ein. Von leeren Toilettenpapier ist die innere Papprolle ein günstiger und guter Beschäftigungsgegenstand, ebenso wie Papp-Schachteln. Aus alten Stoffresten lassen sich schöne Hängematten für die Ratten basteln.

Frische Äste zum beknabbern befriedigen den starken Nagetrieb der Ratten und müssen immer wieder erneuert werden. Sie sorgen auch für eine Abnutzung der lebenslang nachwachsenden Schneidezähne. Geeignet sind Äste von ungiftigen Laubbäumen, zum Beispiel Apfel, Birne, Kirsche, Weide, Haselnuß, Buche, Linde oder Ahorn.

Auslauf in der Wohnung

Ein Laufrad ist für Ratten nicht geeignet, um ihnen dennoch ausreichend Bewegung zu bieten, ist täglicher Freilauf in der Wohnung nötig. Dabei ist darauf zu achten dass keine Gefahren für die Ratten in dem Zimmer sind, wo sie frei herumlaufen. Giftige Zimmerpflanzen (z.B. Efeu, Weihnachtstern) und Kakteen sind tabu. Ebenso dürfen keine Kabel herumliegen, da Ratten an vielen Gegenständen nagen und so einen Stromschlag bekommen können. Zwei Stunden Freilauf sind absolutes Minimum. Dabei sollte man die Ratten mit Spielzeug oder Pappkartons zum erkunden und spielen ermutigen. Der Freilaufe sollte jeden Tag etwa zur gleichen Uhrzeit stattfinden, daran gewöhnen sich die Ratten schnell und sie warten dann bereits wach darauf. Ein Problem beim Freilauf ist, dass Ratten dabei ständig Kot und Urin abgeben.

Ernährung

Ratten haben eine Vorliebe für Getreide, fressen aber auch Fleischliches und Früchte. Gegenüber neuen Futtersorten sind sie sehr skeptisch und fressen ihnen unbekanntes nicht. Für neues Futter gibt es innerhalb der Rattengruppe meist einen Vorkoster, der unbekannte Dinge probieren muss. Erst wenn sich die Ratten danach sicher sind, dass man es problemlos fressen kann, fressen auch die anderen Gruppenmitglieder.

Im Zoohandel gibt es Futtermischungen speziell für Ratten, die man gut verwenden kann. Die tägliche Menge an Trockenfutter pro Ratte ist etwa ein leicht gehäufter Esslöffel. Man kann es mit ein paar getrockneten Kräutern (z.B. Kamille, Haselnussblätter, Löwenzahn) ergänzen.

Ein paar Stückchen frisches Obst oder Gemüse (beispielsweise Apfel, Birne, Paprika, Gurke, Karotte inkl. Grün, Salate) sorgen täglich für die Zufuhr von Vitaminen. Auch Wildpflanzen wie Löwenzahn, Gänseblümchen oder Klee können als Saftfutter angeboten werden. Nicht geeignet sind Kohl-Sorten und Zwiebeln.

Ein beliebtes Beschäftigungsfutter für Farbratten ist Kolbenhirse, sie wird in der Vogelabteilung von Zooläden angeboten.

Zur Versorgung mit tierischen Eiweiß sind hartgekochtes Ei, Quark oder Hundetrockenfutter-Brocken geeignet. Dies bekommen Ratten etwa ein- bis zweimal wöchentlich in geringen Mengen.

Der Futternapf muss so schwer sein, dass die Ratten ihn nicht sofort umwerfen können, am besten aus Steingut oder Porzellan.

Zur Trinkwasserversorung ist eine Nippeltränke am besten geeignet, da Trinknäpfe schnell verschmutzen. Täglich ist die Funktion der Tränke zu kontrollieren.

Wenn Ratten ihren eigenen Kot fressen, ist das kein Grund zur Sorge. Diese sogenannte Koprophagie ist normal bei ihnen.

Pflege

Täglich ist frisches Futter und Wasser zu reichen. Einmal wöchentlich steht eine Komplettreinigung des Käfigs an. Dabei wird die Einstreu durch neue ersetzt, ein Teil der alten Einstreu sollte aufgrund des Eigengeruchs aber wieder in den Käfig, damit die Ratten sich gleich wieder heimisch fühlen. Verschmutzte oder stark riechende Einrichtungsgegenstände werden mit heißem Wasser gereinigt.

Zähmung und Hochheben

Sehr scheu sind Farbratten normalerweise nicht. Wird die Käfigtür geöffnet, kommen sie oft von alleine an. Mit Hilfe von Leckerbissen in der Hand, wie einem Sonnenblumenkern, einem Maiskorn oder einer kleinen Nuß, kann man versuchen sie anzulocken. Dabei muss man ruhig und keinesfalls hektisch vorgehen, es hilft mit beruhigender Stimme etwas zu mit den Ratten zu reden. Anfangs schnuppern die Ratten nur an der Hand, später klettern sie auch mal auf die Hand. Schnell lernen Ratten, dass vom Menschen keine Gefahr ausgeht und nutzen die Hand und Kleidung zum Erkunden.

Ratten sollten nie am Schwanz hochgehoben werden, im Gegensatz zur Farbmaus, denn ihre Schwanzhaut ist dazu zu empfindlich. Angenehmer für die Ratten ist es,  mit einer Hand den Brustkorb zu umfassen und die andere Hand unter  den Hinterbeinen zu schieben. Alternativ kann man aus beiden Händen eine Höhle formen, in die die Ratte hineingrabbelt.

Eignung für Kinder

Ratten sind eher dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verschlafen aber nicht den ganzen Tag, sind also auch gelegentlich tagsüber unterwegs. Mit etwas Geduld werden Ratten sehr zahm, lassen sich gerne streicheln und klettern auf ihrem Menschen herum.

Der Eigengeruch von Farbratten ist nicht zu unterschätzen. Für empfindliche Nasen sind Ratten nicht geeignet. Für sehr kleine Kinder sind Ratten nicht zu empfehlen, erst ab einem Alter von etwa 10 Jahren können Kinder einen Großteil der Rattenpflege selbst übernehmen. Trotzdem dürfen Sie als Eltern kein Ekel haben die Ratten anzufassen. Steht der Käfig der Ratten im Kinderzimmer, kann das geräuschempfindlichen Menschen den Schlaf rauben. Ratten machen zwar keinen Lärm, geräuschlos sind sie aber nun einmal nicht.

Ratten erreichen selten ein Lebensalter von mehr als drei Jahren, da sie sehr zur Tumorbildung neigen. Das ist also eine durchaus überschaubare Zeit, falls die Kinder doch das Interesse an ihren Haustieren verlieren sollten.

Buchtipps

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